Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.

Slættanes seit 50 Jahren unbewohnt

Nach 130 Jahren siedeln die letzten Bewohner um

ka - Im Jahr 1965 verließen nach genau 130 Jahren die letzten Bewohner den Ort Slættanes an der Nordspitze Vágars. Bis zu 130 Menschen lebten hier in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

Slættanes im Sommer 2013 vom Vestmannasund aus gesehen (Bild: Klaus Averberg)Slættanes im Sommer 2013 vom Vestmannasund aus gesehen (Bild: Klaus Averberg)

Die ersten Bewohner kamen 1835. Heindrikur Thomassen und seine Frau Julianna Niklasdóttir siedelten seinerzeit aus Sandavágur mit 5 Kindern auf die Slættanes um. Sie waren die ersten Bewohner der in den nächsten 110 Jahren wachsenden Siedlung.

Fünf Jahre später siedelten weitere fünf Personen nach Slættanes um, 1845 standen bereits drei Häuser auf der „flachen Landnase“ mit insgesamt 21 Personen. 1850 war die Einwohneranzahl bereits auf 40 angestiegen. Weitere 10 Jahre später, 1860, wohnten nur noch 21 Personen in Slættanes, von nun an stieg die Einwohnerzahl jedoch stetig bis nach dem 2. Weltkrieg an. 1890 wurde wieder die 40-Einwohner-Marke erreicht. Bis zum zweiten Weltkrieg 1940, als die Engländer die Färöer besetzten, stieg die Einwohnerzahl weiter auf 75. Während des Krieges erhielt die Siedlung an der Nordspitze Vágars trotz oder gerade wegen der abgeschiedenen Lage weiteren Zulauf, im Zeitraum nach dem Ende des 2. Weltkrieges zwischen 1945 und 1950 zählte man hier 130 Einwohner.

Nachdem sich die Lebensverhältnisse auf den Färöern nach dem 2. Weltkrieg überall zu bessern begannen, machte sich die isolierte Lage der Siedlung Slættanes bemerkbar. Zum Handel musste man entweder über die Berge nach Sandavágur oder Sørvágur wandern oder mit dem Boot nach Vestmanna fahren. Da Slættnanes jedoch Brandungsgebiet der Atlantikwellen ist, herrscht hier trotz der schützenden Landnase nur selten ruhige See, sodass man mit den Booten oft tageslang nicht anlanden kann. Diese Faktoren trugen dazu bei, dass die Einwohnerzahl innerhalb von kürzester Zeit auf Null zurückging.

Bis zu 12 Häuser standen in den Hochzeiten in Slættanes, wovon heute noch 6 Häuser übrig sind. Die Bewohner lebten vom Fischfang und Landbau wie Schafhaltung, Kuhhaltung und Kartoffelanbau. Doch war der Handel aufgrund der isolierten Lage sehr schwierig und zeitraubend.

Spätestens in den 1930er Jahren wurde eine Poststelle in Slættanes erreichtet. In dieser Zeit nahmen die Einwohner, wenn sie nach Vestmanna zum einkaufen fuhren, die Post mit und brachten die Post für Slættanes von Vestmanna mit zurück. Im Sommer 1948 fuhr das Postboot Ólavur zweimal in der Woche zwischen Vestmanna und Slættanes, jeweils mittwochs und samstags. Aufgrund der oftmals hohen Brandung kam es oft vor, dass die Ólavur nicht anlegen konnte und die Fahrt erst stattfand, als das Wasser wieder ruhig genug war für ein Anlegemanöver am felsigen Kai von Slættanes.

In den ersten fünf Jahren der neuen Postbootverbindung wurde die Post für Slættanes direkt von der Postzentrale in Tórshavn zum Postboot in Vestmanna geliefert. Später wurde dann die Poststation Slættanes dem Postbezirk Vestmanna zugeordnet. Dieses System wurde bis zur Schließung der Poststation Slættanes 1964 beibehalten.

Ein Jahr später, 1965, verließen die letzten Bewohner Slættanes. Seitdem ist die Siedlung an der flachen Landnase an der Nordspitze von Vágar ein verlassener Ort. Im Sommerhalbjahr ist der Ort dennoch von Zeit zu Zeit bewohnt. Viele aus Slættanes abstammende Familien und Leute, die Verbindungen zu diesem Ort haben, nutzen ihr Haus für Ferienaufenthalte.

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