Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.
Färöische Nachrichten

Jeffrei Henriksen gestorben

Eine sprudelnde Quelle des Wissens und ein Vorbild

mh - Es war im Jahr des Umbruchs, 1968, als wir – drei Jünglinge aus der vierten Klasse des Lehrerseminars – zum Praktikum für die färöische Sprache in eine erste Klasse der neuen Venjingarskúli (Praktikumsschule) in á Frælsinum kamen. Die Schulkinder waren um die
14 Jahre alt.

Jeffrei Henriksen hat für immer die Augen geschlossen (Bild: portal.fo)Jeffrei Henriksen hat für immer die Augen geschlossen (Bild: portal.fo)

Die ersten Stunden beobachteten wir, und wir saßen strohdumm da, erstaunt darüber, wie gut die Jungen die färöische Grammatik beherrschten, ja, die Besten konnten sie so viel besser als wir, die sieben Jahre lang die Volkschule, vier Jahre die Mittelschule und ein Jahr lang die Realschulklasse besucht hatten. Darüber hinaus hatten wir die Vorbereitungsklasse des Lehrerseminars besucht, und waren nun – 22 Jahre alt - im vierten und letzten Jahr der Lehrerausbildung.

Eine Hauptursache, weshalb die Kinder so eifrig und tüchtig waren, war der Mann, der manchmal an der Tafel stand und erklärte, und manchmal ganz hinten im Klassenraum saß und einfache, kurze und präzise Fragen stellte.

Dieser Lehrer hieß Jeffrei Henriksen und war damals 38 Jahre alt.

Er wurde 1930 in Sørvágur geboren. Seine Eltern waren Josefina, geb. Johansen aus Sørvágur, und Jóhan Jákup Henriksen aus Gásadalur. Jeffrei heiratete Kirstin, geb. Jensen aus Strendur, und sie bekamen die Töchter Elin und Hervør.

Jeffrei war im Wintersemester 1945-1946 Schüler an der färöischen Volksschule und legte 1950 die Lehrerprüfung ab. Von 1950 bis 1955 war er Lehrer in Bøur und Gásadalur, von 1955 bis 1960 in Eiði, von 1960 bis 1968 in der Gemeindeschule in Tórshavn, und in jenem besagten Sommer, in 1968, war er Schulleiter in der neugegründeten Venjingarskúli, und übte diese Arbeit bis 1981 aus. Ab 1968 war er mit wenigen Wochenstunden Dozent am Lehrerseminar. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1995 arbeitete er am Lehrerseminar.

1970 begann ich selbst an der Venjingarskúli zu arbeiten.

In diesen ersten Jahren mit ihm als Schulleiter zusammen zu arbeiten, war eine Offenbarung. Es wurde mit altem Gewohnheitsdenken gebrochen und neue Wege wurden eingeschlagen. Er war ein guter Schulleiter, der immer Vertrauen vor Kontrolle setzte, eine sprudelnde Quelle des Wissens und ein Vorbild: fleißig, präzise und immer mit gutem Rat, wenn es um Neuerungen ging.

Viele seiner Gedanken, die er sich über das Schulwesen machte, sind im Buch „Uppaling og skúlaskapur“ (Erziehung und Schulwesen) gesammelt.

Er legte auch großen Wert auf Gesellschaft.
Der letzte Schultag war immer vergnüglich, wenn die Arbeit getan war, und Jeffrei und Kirstin das gesamte Schulkollegium zu sich nach Hause, in der Heiðaskákið, einlud. Es waren schöne Feste, wir nahmen uns an der Hand und tanzten fröhlich.

Das lateinische Wort „amo“ bedeutet „ich liebe“ oder „mir gefällt“. Aus diesem ist das Wort Amateur entstanden, das oft in negativer Weise verwendet wird, doch bedeutet es nur, dass jemand etwas gerne tut. Wir können schon sagen, dass Jeffrei sich nicht die Zeit nahm, die große akademische Ausbildung zu machen, die er in Windeseile hätte absolvieren können. Dennoch legte er nach zweijährigem Studium – 1982 – die Prüfung zum exam. art in skandinavischen Sprachen, insbesondere der färöischen, und Literatur ab.

Und niemand – sei es ein Bachelor, Master oder Doktor der Literatur – wäre auf den Gedanken gekommen, Jeffrei als Amateur in negativer Weise zu bezeichnen, denn alle bestätigen, dass es wirklich niemanden auf dem Forschungsgebiet gab, der solch ein solides Wissen wie er hatte.

Als junger Mensch öffnete er die Türen, und wie nur wenige verfolgte er dieses Forschungsgebiet, das allgemein Linguistik genannt wird. All diejenigen, die sich mit der färöischen Sprache befassen, kennen seine Leistung, und unter den angesehensten Linguisten, die sich mit Färöisch beschäftigen – viele von ihnen Ausländer – wurde er von vielen hoch geschätzt. Auch vertrat er eine Reihe von Jahren die Lehrervereinigung der Muttersprache im Sprachrat.

Der Verlag Sprotin gab 2007 das Buch „Uppaling og skúlaskapur (Erziehung und Schulwesen) heraus. 2010 wurde sein großartiges Werk “Málsligar rannsóknir, greinir og hugleiðingar“ (Sprachliche Untersuchungen, Artikel und Betrachtungen) verlegt, und 2011 veröffentlichte der gleiche Verlag die „Orðalagslæru“ (Syntax), ein bahnbrechendes Werk. Darüber hinaus schrieb Jeffrei mehrere Lehrbücher für die Volksschule.

In den Jahren 1981 bis 1995 hatten wir gemeinsam die Verantwortung für den Färöischunterricht am Lehrerseminar. Er war ein guter Kollege, auf dem man sich immer verlassen konnte. Damals gründeten wir in der Schule die Tanzgesellschaft „Grana“ und organisierten Tanzveranstaltungen im ganzen Land. Auch organsierte Jeffrei Kindertanz in Tórshavn.

Jeffrei Henriksen schloss am 27. November 2018 ein letztes Mal die Augen.

So wie er uns drei Lehramtsstudenten ein leuchtendes Vorbild wurde – damals 1968 – wird die Erinnerung an Jeffrei wie ein unverrückbarer Fels sein, wenn es darum geht, das Schulwesen und besonders den muttersprachlichen Unterricht hier im Lande zu erklären.

Wir erteilen einem guten Freund, einem hervorragenden Mann, der wirklich unserer Nation und färöischen Sprache diente, unseren Segen.

Árni Dahl


9.12.2018

  • Pressemitteilung
  • Zeichenanzahl: 5.412
  • Anhänge: JPG
Bilder zum Download:
Verwandte Themen