Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.
Färöische Nachrichten

Føroya Bjór wird 130

Beginn. Bäcker. Bauer. Brauer. Bootseigentümer

mh - Eines Tages im Jahre 1888 ging Símun í Vági in seinen Keller des Hauses, das er in Vágur gebaut hatte und mischte Wasser, Malz, Gerste und Hefe in einem Bottich. Die insgesamt 40 Liter Flüssigkeit ergaben am Ende 100 Flaschen Bier. Føroya Bjór hatte das Licht der Welt erblickt.

Føroya Bjór – das Logo der färöischen Brauerei (Bild: Webseite von Føroya Bjór)Føroya Bjór – das Logo der färöischen Brauerei (Bild: Webseite von Føroya Bjór)

Wir wissen aus gutem Grunde nicht, wie dieser erste Versuch des Mannes aus Vágur, Bier zu brauen, gelang oder wie das Bier schmeckte. Aber vermutlich schmeckte es gut, denn Føroya Bjór braut noch heute, 130 Jahre später. Erstklassige Rohwaren, gründliche, harte und entschlossene Arbeit. Føroya Bjór war, seit Símun í Vági die Brauerei gründete, innerhalb der Brauereitätigkeit immer bahnbrechend.

Símun Frederik Hansen wurde 1863 in Vágur geboren und starb 1935. Gewöhnlich wurde er Símun í Vági genannt und war Sohn von Bauer Hanus í Tunghúsinum und Cathrina úr Innistovu á Trøllanesi. Der alte Name des Pachthofs in Vágur lautete Niðristova, doch einer der Pächter, Hanus, stammte aus Frammi í Tungu in Mikladalur, und von ihm wird gesagt, dass er den Namen in Tunguhúsið änderte.

Símuns Vater starb 1879 im Alter von 49 Jahren, und Símun übernahm als junger Mann den Pachthof. Doch 2 Mark waren nicht genug, um ihn zu ernähren, also wurde Símun auch Fischer. Er war ein weitsichtiger Mann, arbeitete als Bauer und Fischer und besuchte im Alter von 20 Jahren die Vallekilde Hochschule in Dänemark, um die Kunst des Backens und Brauens zu erlernen - 2 Tätigkeitsfelder, die damals zusammen gehörten. In Dänemark lernte Símun den Kulturbetrieb der Hochschule kennen, und sie bildete seine Grundidee in seinem Entwicklungsstreben.

Nach Hause zurückgekehrt, arbeitete Símun mehrere Jahre lang im Geschäft in Klaksvík, bis er begann, selbst zu backen, zu brauen und zu handeln. Zu Beginn buk er jeden zweiten Tag, den anderen Tag fuhr er nach Múli, um dort seine Waren zu verkaufen. 1891 baute er den Speicher am Fornagørðum, und allmählich wurde der Betrieb immer weiter ausgebaut und umfasste Handel, Fischtrockenplätze und Reederei.

Símun í Vági war, wie gesagt, Idealist und nahm am zweiten Weihnachtstag 1888 Teil am berühmten Jólafundur, dem Tag, an dem über den Gebrauch der färöischen Sprache diskutiert und entschieden wurde. Er nahm an Volksversammlungen teil und war ebenso im Zeitungswesen, besonders bei der Zeitung Tingkrossur aktiv. Er machte den ersten Schritt, das Gemeindehaus 1898 zu bauen, und als die Hochschule 1899 in Klaksvík gegründet wurde, war er einer der Pioniere.


Die zweite Generation
Spezialisierung, die Brauerei

Símun heiratete 1888 Karin, die aus Funningsstova in Tórshavn stammte. Sie bekamen dreizehn Kinder. Als Símun 1935 starb, trat sein Sohn Einar Fróvin Waag (1894-1989) in seine Fußstapfen und führte die Brauereitätigkeit fort. Einar besuchte im Wintersemester 1915-1916 die Hochschule in Tórshavn und ging später nach Dänemark. Dort besuchte er u.a. die Hochschule in Fredensborg und arbeitete danach in zwei Brauereien.

Auf die Färöer zurückgekehrt, übernahm er die Leitung von Føroya Bjór. Er kaufte Maschinen und begann 1936 Limonade herzustellen. Dieser Teil des Geschäfts von Føroya Bjór kam auch in den letzten Jahren zum Erblühen, mit vielen verschiedenen Geschmacksarten und –richtungen, trotz heftigem Wettbewerb von außen. 1959 reagierte die Firma mit 18 dänischen Brauereien auf den Einmarsch amerikanischer Coca Cola mit Jolly Cola. Føroya Bjór besitzt heute die Rechte, Jolly Cola auf den Färöern zu produzieren. Jolly und Sisu gehören zu den meist verkauften Limonaden auf den Färöern.
1952 baute Einar eine neue Brauerei in der Nähe der alten am Fornagørðum. Wie sein Vater zuvor nahm Einar an öffentlichen Diskussionen teil. Von 1943-1947 saß er im Gemeinderat in Klaksvík und vertrat von 1950-1954 die Partei Javnaðarflokkur im Parlament. Er interessierte sich sehr für Sport und war ab 1924 für einige Jahre Vorsitzender des Klaksvíker Fußballvereins KÍ.


Die dritte Generation
Ausbau, technischer Fortschritt

1970 erschien die dritte Generation auf den Plan. Einar Waag, Sohn von Einar Fróvin Waag und Anna Malena Joensen ging nach Dänemark, um dort sein Examen zu machen und in mehreren verschiedenen Brauereien zu arbeiten. 1968 ging er für zwei Jahre nach München, um Brauereimeister zu werden.

Zwei Jahre später wurde er im Alter von 23 Jahren Geschäftsführer von Føroya Bjór. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Heini leitete Einar die Firma, und 2008 kaufte Einar Heinis Anteil ab.

Seit den 1970er Jahren gab es große Veränderungen. 1975 wurde ein neues Brauhaus eingeweiht und mehrere Außengebäude angebaut und moderne Geräte eingesetzt.
1980 wurde die Genehmigung, Starkbier zu brauen, erteilt. Dies war eine Herausforderung, die Føroya Bjór sehr ernst nahm und das u.a. bekannte Veðr-Bier (Widderbier) produzierte, von dem behauptet werden kann, dass es das Flaggschiff der Brauerei ist. Unter der Führung von Einar hat sich Føroya Bjór entwickelt und geschafft, sich gegen die starke Konkurrenz auf dem Markt zu behaupten. Als Rúsdrekkasøla Landsins (der Alkohollizenzladen) 1992 öffnete, war die Konkurrenz groß, denn es kamen mehrere ausländische Biere auf den Markt.


Die vierte Generation
Neue Zeiten, neue Herausforderungen

Inzwischen ist die vierte Generation aktiv. Einars und Elsas Tochter Annika Waag ist Qualitätsmanagerin und Geschäftsführerin von Føroya Bjór, und seit 2008 hat Annika zusammen mit ihrem Vater Føroya Bjór in neue Zeiten geführt.

2012 erfolgte die Genehmigung, noch stärkeres Bier als das Gull zu brauen, und Føroya Bjór begann, wie gewohnt, mit Geschäftssinn und Konkurrenzgedanken verschiedene Biersorten zu produzieren. Das erste war ein Træveður (Triple Ram, dreifacher Widder) mit einem Alkoholgehalt von 8,5%, das aus einem alten Rezept von Símun í Vági stammt, vermengt mit der Inspiration der reichen Brauereikunst aus Europa. Seitdem wurden mehrere Spezialbiere gebraut. Das Gyltur veðrur (Goldener Widder) mit 10% Alkoholgehalt, das Sterkur Veðrur, Spezialgebräue zu Weihnachten, Ostern, Festivals, Olavsøka und Festtagen. Es wurde immer für alle Färinger gebraut, und jetzt, da Bier ernsthaft Konkurrent zum Wein auf dem Menü der Färinger ist, ist es unglaublich erfreulich, sagen zu können, dass es Føroya Bjór gelungen ist, sich einzumischen, die Ärmel hochzukrempeln und ein besonderes Bier nach dem anderen auf den Markt zu bringen.


Neue Zeiten stellen neue Ansprüche

2017 eröffnete Føroya Bjór ein neues Geschäft östlich der Brauerei am Fornagørðum. Ein weiterer Beweis an Ausdauer, die Bedürfnisse der Kunden zu pflegen und zu befriedigen und ihnen den besten Dienst zu bieten. In der modernen Verkaufshalle sind auch Destilliergefäße aus glänzendem Kupfer zu sehen. Ebenso kann der Stuhl des alten Símun í Vági bewundert werden, Fotos aus längst vergangenen Zeit hängen an den Wänden. Das Juwel der Ausstellungsstücke ist gewiss das Whiskyfass Nummer 18.

Die ersten Whiskyfässer lagern bereits. Das Wasser des Lebens liegt, wartet und reift, so dass in einigen Jahre färöischer Whisky von Føroya Bjór auf den Markt kommt. Färöischer Aquavit und färöischer Wodka aus Einars Destillierie gibt es bereits in den Regalen von Rúsdrekkasøla Landsins.

Føroya Bjór war immer ein aktiver Partner in der färöischen Gesellschaft und unterstützt Individuen und Vereine im ganzen Land. Føroya Bjór gibt es seit 130 Jahren und gehört somit zu einem der ältesten Unternehmen auf den Färöern. Wechselnde Zeiten haben wechselnde Ansprüche, doch Føroya Bjór ist es immer gelungen mitzuhalten und sich zu entwickeln. Technischer Fortschritt erforderte immer die Notwendigkeit, die Produktion anzupassen, was die Firma auch tat.

Heute ist Føroya Bjór ein modernes Unternehmen, das mit neuen Maschinen, guten Mitarbeitern und guter Führung mit anderen Herstellern konkurrieren kann, und die Menschen bei Føroya Bjór sind bereit für die Herausforderungen, die die Zukunft in den nächsten 130 Jahren bietet.

Føroya Bjór besitzt mit 65% Bier und 45% Limonade den größten Marktanteil auf den Färöern.


23.5.2018

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