Deutsch-Färöischer Freundeskreis (DFF) e.V.
Färöische Nachrichten

Amy Fuglø gestorben

Autorin erlag ihrem Krebsleiden

mh - Die Autorin des Buches „Eine färöische Kindheit“, starb im Alter von 74 Jahren.

Amy Fuglø gestorben (Bild: Hinz)Amy Fuglø gestorben (Bild: Hinz)

Vor rund vier Jahren war bei ihr Brustkrebs diagnostiziert worden, der sich später auf ihre inneren Organe ausbreitete. Es war ein langer Kampf, den sie am Ende verlor. Am Tag ihres Geburtstages starb Amy Fuglø im Hospiz im dänischen Seeland.

Dennoch war es ihr möglich, die Herausgabe ihres in Dänisch geschriebenen Buches auf dem deutschen Buchmarkt sowie die damit verbundenen positiven Lesermeinungen zu erleben.

Amy Fuglø beschrieb in ihrem Buch die Kindheit ihrer inzwischen über 100-jährigen Mutter Sigrid Fuglø auf den Färöern.

Ihre Mutter hatte immer von ihrer Kindheit erzählt. Nachdem bei ihr Alzheimer festgestellt wurde, begann Amy, sich Notizen zu machen und das Leben ihrer Mutter aufzuschreiben. Es sollte nicht vergessen werden, das Leben vor 100 Jahren auf den Färöern.

Sigrid Fuglø wurde im Jahre 1915 in Viðereiði, der nördlichsten Insel der Färöer, geboren und verbrachte dort ihre Kindheit. Sie wuchs in dem kleinen Dorf zusammen mit ihren sechs Geschwistern, die sie alle überlebte, in Armut auf.

Es gab keinen Zahnarzt, der bei Zahnschmerzen helfen konnte, also übernahm es ein Nachbar, der eine Zange hatte, und ohne Betäubung die Zähne zog. Wurde ein Arzt benötigt, musste dieser eine lange Reise unternehmen, um auf die Insel Viðoy zu kommen, Oft kam erst gar kein Arzt, man musste warten, bis einer zufällig vor Ort war.

Schon als kleines Mädchen musste Sigrid schwere, körperliche Arbeit verrichten. Die Kinder halfen bei der Heuernte, dem Torfstechen, dem Melken der Kühe. Die Schule musste zurückstehen. Schulbesuche waren selten und unregelmäßig.

Verhütung gab es kaum, so dass viele Kinder zur Welt kamen. Oft fast zur gleichen Zeit, wenn die Väter nach Monaten vom Fischfang nach Hause zurückkehrten. Verstohlen wurden Verhütungsmittel aus Dänemark bestellt oder selbst genäht.

Blieb der Vater auf See, musste die Mutter versuchen, klar zu kommen mit einer Schar Kinder. Starben beide Eltern, wurden die Kinder verteilt, an Verwandte oder Bekannte.

Religion war eine wichtige Angelegenheit im Leben der Menschen. Alle glaubten an den gleichen Gott, doch trennten sie oft verschiedene Glaubensrichtungen. Es kam zu Zerwürfnissen innerhalb von Familien, Kinder wurden ausgeschlossen.

Behinderte waren ein Teil der Gesellschaft. Man akzeptierte ihre Eigenheiten, und die Eltern litten, wenn ihre Kinder doch schließlich „runter“ nach Dänemark geschickt wurden. Viele Behinderte wie auch andere schwer kranke Menschen, für die es auf den Färöern keine Behandlung oder Fördermöglichkeit gab, wurden mit einem Oneway-Ticket nach Dänemark geschickt, wo sie den Rest ihres Lebens in Rødby verbrachten und nie wieder in ihre Heimat zurückkehrten.

Es war ein hartes Leben, doch die Menschen waren glücklich, schreibt Amy Fuglø in ihrem Buch.
Nachdem Sigrid das Erwachsenenalter erreicht hatte, folgte sie ihrem Verlobten Elenius, dessen Vorfahren von der Insel Fugloy stammten, nach Dänemark. Sie heirateten heimlich, ohne Zustimmung des Arbeitgebers (!) und waren während des Zweiten Weltkrieges von ihren Familien für lange Jahre getrennt. Amy Fuglø kam 1943 während des Krieges in Dänemark zur Welt, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte. Doch lebte sie auch mehrere Jahre auf den Färöern, wo ihre beiden Söhne zur Welt kamen. Sie war eine talentierte Malerin. Sie studierte Kunst an verschiedenen Kunsthochschulen in Dänemark und den USA und war Schülern der Kunstlehrerein Mable Rose, die auch König Margrethe von Dänemark unterrichtete.

Ihr Buch versah sie mit vielen ihrer eigenen Zeichnungen, von denen auch einige in die deutsche Ausgabe übernommen werden konnten.

Nun hat Amy Fuglø den Kampf gegen ihre schwere Krankheit verloren. Doch sie lebt weiter in ihren Bildern und ihrem Buch, in dem sie auch ihre Mutter sowie das Leben auf den Färöern, wie es einst war, vor dem Vergessen bewahrt hat.


20.05.2017

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